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Fremdkörper

Es kann zu einem echten Alptraum werden, wenn Hunde Dinge aufnehmen, die den Darm nicht passieren können. Da gibt es Hunde, die haben schon mehrfach Bauchoperationen hinter sich,
weil sie Socken, Handschuhe, Stofftiere, Leberwursttuben, Steine und andere Dinge herunter geschlungen haben.
Immer wieder kriegen wir auch Anrufe von besorgten Kunden, Schokolade (kann auch giftig sein) wäre mit Papier, Medikamente mit Schachteln, Fleisch mit Gefrierbeutel, der zu allem Übel auch noch mit einem Knoten verschlossen war, gefressen worden. Was ist zu tun? Unsere erste Frage ist dann immer: „wann?“
Wenn die Aufnahme sofort oder zumindest zeitnah bemerkt wird, kann man ein Brechmittel verabreichen. Das geht natürlich nicht, wenn der Hund Rasierklingen gefressen hat. Auch wenn das vor nicht allzu langer Zeit in der Zeitung so beschrieben wurde. Denn wenn der Hund erbricht, wird der Magen stark „zusammengepresst“ und mit einem „Schwung“ wird der Mageninhalt durch die Speiseröhre nach draußen befördert. Wenn der Mageninhalt eine Rasierklinge ist, dann kann das selbstverständlich die gesamte Speiseröhre der Länge nach aufschlitzen und dann war das das letzte Mal, dass ihr Hund  erbrochen hat,wenn sie Pech haben. Da ist es eigentlich schon ein Glück, dass die Rasierklinge beim Hinunterschlucken keine Verletzungen gemacht hat. Also, bei so einer  Fremdkörperaufnahme kommen sie bzw. ihr Hund um eine Magenoperation nicht umhin. Vielleicht kann man die Rasierklinge bei einer Magenspiegelung in eine Art Käfig überführen. So was gibt es meine ich. Das wäre dann vorher zu klären. Öfters schon wurden auch Rouladen mit Metallspießen verschluckt. Da kann man auch endoskopisch versuchen diese Spieße aus der Roulade zu ziehen. Aber die sitzen oft so fest, die kriegt man ja auf dem Teller kaum raus, ohne eine Sauerei bei Tisch zu veranstalten. Aber viele Dinge kann man die Hunde auch wieder auskotzen lassen. Das ist unschön, aber besser als eine Operation auf jeden Fall.
Es ist auch schon vorgekommen, dass bei dem Erbrechen, das Teil von dem man meinte der Hund hätte es gefressen, nicht raus gekommen ist. Während wir hier die Kotze nach dem verschluckten Flummi durchwühlten, rief ein Familienmitglied an, sie hätten den Flummi doch noch im Haus gefunden.  Einmal habe ich einen Stoffball aus dem Darm eines 13 jährigen Hundes operiert. Als ich der Besitzerin den Ball zeigte, meinte sie, den hätte der Hund vor 7 (!) Jahren verschluckt. Damals seien sie zum Tierarzt gegangen, der hätte den Hund auch erbrechen lassen, aber der Ball wär nicht bei dem Erbrochenen gewesen. Da der Hund immer schon magenempfindlich war, haben sie sich in der Zukunft auch nicht gewundert, dass er „immer mal wieder“ erbrochen hat. Im Röntgenbild sieht man viele Fremdkörper nicht. Das ist das Problem. Sonst wäre die Diagnostik von so manchem Darmverschluss auch einfacher. Denn nicht immer beobachten die Besitzer die Fremdkörperaufnahme direkt. Erst wenn der Hund anfängt alles Aufgenommene wieder zu erbrechen, wird der Hund bei uns vorgestellt. Und wenn es sich um einen jugendlichen Labrador handelt, dann kommen wir natürlich gleich mit unserm Verdacht, dass der eventuell was aufgenommen hat, was nun nicht den Darm passieren kann.
Die Entscheidung, „ja, dieser Hund hat einen Darmverschluss, wir operieren“, ist nicht immer einfach. Unser Dackel hatte auch eindeutige Symptome und sie hatte auch schon einmal Luftballons gefressen, die ich ihr aus dem Darm operieren musste. Dann aber war der „Spuk“ plötzlich vorbei. Offenbar hat das, was immer wieder stecken blieb auf dem Weg über den Dünndarm, dann doch den Dickdarm erreicht. Sofort waren die Schmerzen vorbei und der Hund war wieder wie ausgewechselt. Man soll nicht meinen, was alles so was verursachen kann. Einen ähnlichen Fall wie mit unserem Dackel hatte ich mal mit einer jungen Schäferhündin. Und die kotete dann tagsdrauf ein riesiges Stück  Mohrrübe aus. Die war sicher für diese Darmverschluss symptomatik verantwortlich.
Wenn dann tatsächlich eine Operation notwendig ist, ist der Erfolg und Verlauf,und ob in der Zukunft Verdauungsprobleme bleiben werden, immer davon abhängig, was für Fremdkörper es sind und wo die stecken geblieben sind. Aber fast immer ist es erstaunlich, wie Hunde sich schnell erholen von solchen Operationen und die meisten haben nie wieder Probleme. Aber in jeden Fall gilt es natürlich zu verhindern, das Hunde Dinge fressen, die nicht verdaut werden können.
Ein Freund von mir hat einen Jagdhund und der hat über Jahre täglich (!) einen seiner Socken gefressen. Das fand er sogar ganz lustig, bis eines Tages der Hund nur noch kotzte. Da war dann ein Socken doch stecken geblieben. Socken sind auch nicht alle gleich dick. Es ist manchmal eine echte Herausforderung, z.B im Herbst, wenn Kastanien von den Bäumen fallen. Unzerkaut können die nämlich locker einen Darmverschluss verursachen. Wenn sie einen Welpen haben, der wenn man ihn lässt alles frisst was nicht fressbar ist, dann raten wir in jedem Fall den Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen. Damit können sich die meisten Besitzer nicht anfreunden, aber es verhindert im Zweifel viel Leid und schont ihren Geldbeutel dazu.

Franziska Kähler

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