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Kastration von Hunden

Die routinemäßige Kastration von Rüden und Hündinnen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Für die einen ist es eine unnötige Amputation von Organen, die verboten gehört, für die anderen ist es ein Eingriff, der den Hunden viel Krankheit und Stress im Leben erspart.
Ich akzeptiere beide Meinungen. Aber ein Argument der „Kastrationsgegner“ ist sicher nicht richtig: Tierärzte verdienen an der Kastration und sind daher dafür. Das stimmt nicht. Wir verdienen Geld mit kranken Tieren, die wir „wieder gesund machen“ bzw. deren Leiden wir lindern.

Ich habe hier mal die Argumente für und gegen eine Kastration zusammen getragen. Am besten ist es, wie oft im Leben, man trifft dann seine eigene Entscheidung, wenn man das für und wieder, für sich und sein Tier abgewogen hat.

Contra Kastration

„Kastration ist ein Eingriff in die Natur der Hunde und sollte daher nur bei Erkrankungen der Geschlechtsorgane durchgeführt werden“.

Pro Kastration

Unsere Haushunde leben nicht mehr in einer natürlichen Umgebung, in einem Rudel, wo sich die Stärksten fortpflanzen. Wir erlauben ihnen in aller Regel nicht überhaupt aus zu kämpfen wer denn der stärkere ist und wer sich wem unterordnen muss. Wir erwarten, dass sich auch ein 5 Jahre alter Rüde ohne zu murren unseren Kleinkindern unterordnet. Eine Hündin die läufig ist, lassen wir nicht laufen, um ihrer Natur zu folgen und sich einen deckfähigen Rüden zu suchen.
Schon das Anleinen ist streng genommen unnatürlich. Paarungbereite Hunde werden in aller Regel strikt getrennt. Das ist nicht Natur, das ist Stress pur für alle Beteiligten. Und wenn die Tiere ihrer Natur folgen und sich doch davonstehlen und heimlich paaren, dann wird von uns Tierärzten gefordert die Trächtigkeit mit „Chemie“ in jedem Fall zu verhindern oder abzubrechen.

Contra Kastration

„Kastrierte Hunde sind träge und übergewichtig“. In der Tat kann man vor allem bei älteren Rüden beobachten, dass sie nach der Kastration deutlich ruhiger werden. Das erkläre ich den Besitzern immer damit, dass das „Gockelhormon“ (gemeint ist natürlich, das männliche Geschlechtshormon, Testosteron) nun fehlt und sie dadurch weniger motiviert sind, sich als starker, toller Hund zu präsentieren und, positiv ausgedrückt, „gemütlicher unterwegs“ sind. In der Regel rate ich davon ab, einen alten Rüden zu kastrieren, es sei denn, es gibt einen medizinischen Grund, wie zum Beispiel Tumoren am After oder Perianaltumoren. Mittlerweile gibt es Kastrationchips. Das ist die sogenannte chemische Kastration, die entweder 6 Monate oder 12 Monate „anhält“, je nachdem welcher Chip implantiert wird. Das ist eine sehr gute Möglichkeit erst einmal den Hund sozusagen vorübergehend zu kastrieren und dann zu sehen wie sich sein Verhalten entwickelt. Wenn Sie also feststellen, dass ist nicht mehr der Hund, den Sie vorher gehabt haben, ist es nur eine Frage der Zeit bis der Chip nicht mehr wirkt. Oder wenn Sie sich von der Kastration eine Verhaltensänderung versprechen, die aber unter Wirkung des Kastrationschip nicht eintritt, dann kann man sich und vor allem dem Hund die Kastration ersparen.

Pro Kastration

Ob ein Hund übergewichtig ist oder nicht, das ist in fast allen Fällen ein Problem der falschen Fütterung und mangelnder Bewegung. Es gibt genug kastrierte Hunde, die im Hundesport sehr aktiv und erfolgreich sind und kein Gramm Fett am Leib zu viel haben.Aber in der Tat wird bei Hunden nach der Kastration oftmals ein verstärkter Appetit beobachtet. Und da kastrierte Hunde eine geringeren Grundumsatz und damit verminderten Kalorienbedarf haben, muss man nach der Kastration tatsächlich aufpassen, dass nicht nach wenigen Wochen schon mehrere Kilo Gewichtszunahme zu verzeichnen sind, die dann sehr schwer wieder runter zu kriegen sind.

Contra Kastration

„Wenn Hündinnen kastriert werden besteht die Gefahr, dass sie Urin unkontrolliert verlieren, Harninkontinent werden“. Das ist in der Tat ein Risiko, das wir auch bei Rüden bestimmter Rassen beobachten. Es gibt Hunderassen, da besteht ein Inkontinenzrisiko von über 25%. Erste Probleme können schon 6 Monate nach der Kastration auftreten, meistens aber erst später im Leben. Zu diesen Rassen und ihren Mischlingen gehören z.B. der Dobermann, Bobtail, Boxer, Schnauzer, Rottweiler und andere. Wünschen die Besitzer eine Kastration eines Hundes dieser stark betroffenen Rassen, empfehle ich immer eine Voruntersuchung bei Professor Nickel, Experte für Urologie bei Hunden, in der Tierklinik Magunna und Nickel in Hamburg Norderstedt. Er kann die Lage der Harnblase im Becken bestimmen und damit eine Aussage treffen, ob das Risiko des Hundes nach der Kastration inkontinent zu werden normal hoch ist, oder eben stark erhöht.

Pro Kastration

„Kastrierte Hündinnen haben ein geringeres Krebsrisiko an der Brustdrüse“ (Mammatumoren). Studien der Universitäten belegen, dass das nur für Hündinnen zutrifft, die vor der ersten Läufigkeit kastriert wurden. Für Hündinnen die läufig waren, soll das Risiko schnell ansteigen, bzw. dann gleich hoch sein wie bei unkastrierten. In den 15 Jahren, die ich nun als Tierärztin arbeite, habe ich erst eine Hündin gehabt, die mit drei Jahren kastriert wurde und mit 13 Jahren einen Mammatumor gekriegt hat. Ich kenne keine weitere Hündin, die früh im Leben kastriert wurde und an Mammatumoren erkrankt ist.

Contra Kastration

„Wenn Hunde kastriert werden kriegen sie schlechtes Fell“. Schlechtes Fell würde ich gar nicht unbedingt sagen, aber in der Tat gibt es Rassen, bei denen ist das Fell nach der Kastration nicht mehr so schön. Zum Beispiel beim Setter, Langhaardackel oder Cocker Spaniel.Bei allen kurzhaarigen Rassen spielt die Fellproblematik keine Rolle. Aber bei vielen anderen Rassen beobachten wir in der Tat eine Fellveränderung. Diese „Babyfellentwicklung“ geht vor allem mit dichterem Fell einher, sodass diese Hunde tatsächlich mehr Fellpflege benötigen. Im Alter entscheiden mittlerweile viele Besitzer, zumindest in den Sommermonaten, dieses dichte Fell ab scheren zu lassen.
Ich sage immer, ein kastrierter Hund verliert doch etwas von seiner Eleganz, zumindest wenn er vor der Kastration ein Prachtexemplar gewesen ist. Und welcher Hund ist das nicht???

Sie sehen, es gibt Argumente für und gegen eine Kastration. Es gibt Hunderassen, die besonders von Inkontinenz betroffenen sind, zum Beispiel da sieht man von einer routinemäßigen Kastration eher ab, als bei Rassen wo Fell-oder Inkontinenzprobleme keine Rolle spielen.

Einmal sagte eine Frau zu mir: „Frau Kähler, das ganze Jahr richtet sich in unser Familie nach dem Zyklus unseres Hundes“. Ich glaube auch nicht, dass man einer Hündin einen Gefallen tut, wenn man sie im Jahresurlaub am Strand nur angeleint laufen lassen kann, da sie nun leider bei Urlaubsbeginn läufig geworden ist. Mit einer läufigen Hündin auf einen Campingplatz, das kann insgesamt lustig werden und vor allem wenig erholsam. Auch wenn man einen Urlaub ohne Hund plant, ist es nicht einfach für eine unkastrierte Hündin einen Platz in einer Hundepension zu finden, vor allem wenn nicht ausgeschlossen ist, dass sie nicht in naher Zukunft läufig wird. Dann gibt es wieder Besitzer, die berichten, dass sie kaum merken, dass die Hündin überhaupt läufig ist und alles würde sich sehr unauffällig und problemlos abspielen.

Ich habe auch immer wieder Rüdenhalter, die beklagen, dass der Rüde tagelang jaulend vor der Tür sitzt und sich überhaupt durch nichts ablenken lässt, weil er wieder eine läufige Hündin „in der Nase hat“. Und auch hier gibt es Rüden, die interessieren sich auch in fortgeschrittenem Alter wenig für Hündinnen.

Sie sehen es ist und bleibt eine Entscheidung, die jeder für sich und seinen Hund treffen muss.Ich berate Sie gerne und sage Ihnen, welche Entscheidung ich für Sie und Ihren Hund treffen würde.

Franziska Kähler

   Kleintierpraxis | Alte Dorfstraße 2 | 21684 Stade - Wiepenkathen | Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Kontakt | Impressum | Datenschutz | Sitemap
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